[Update] Zensursula und die Stopp-Schilder
Autor: DigiTalk | Datum: 14. Mai 2009 | Kommentar schreiben!Es gibt im Netz bereits hunderte von Meinungen und Beschreibungen der Internetsperren zur Kinderpornografie. Nun möchte ich also auch noch eine hinzufügen.
Die Technische Beschreibung
Zensursula möchte DNS-Sperren einrichten lassen. Das erschwert die Verfolgung der Kinderpornografieverbreiter durch die Behörden und lässt sich von jedem halbwegs versierten Nutzer umgehen. Vor allem, wo es ein nur 27 Sekunden langes YouTube-Video gibt, das beschreibt, wie man das macht.
Technisch gesehen ist das also ganz großer Blödsinn. Die Nutzung eines anderen, freien DNS-Servers hebelt die Regulierung der Provider aus. Die hingegen sind verpflichtet, die vom Ministerium erhaltene Liste auch tatsächlich zu sperren. Kontrollieren kann das niemand.
Aber es sollen diejenigen kontrolliert werden, die so ein Stoppschild zu sehen bekommen. Ob das nun Zufall war, Neugier auf das Stoppschild oder ob tatsächlich Kinderpornografie abgerufen werden sollte, spielt dabei keine Rolle.
Die Beschreibung für Jeden
In einem weiteren YouTube-Video wird am Beispiel der Fußgängerzone beschrieben, wie das denn so funktioniert. Prinzipiell steht dann vor einem Schaufenster ein Stoppschild. Wenn man dahinter vorbei geht, kann man ungestört das verbotene Schaufenster einsehen. Alle anderen, die zufällig davor stehen werden kontrolliert. Zum besseren Verständnis hier das Video:
Die Probleme
Das klingt ja alles gut und schön. Aber es gibt mehrere Probleme mit diesem Ansatz:
- Die Sperrliste darf von niemandem eingesehen werden. Was hindert also das Ministerium daran, auch Webseiten mit unliebsamen Meinungen auf die Liste zu setzen?
- Es gibt keine genaue Regelung dafür, welche Umstände gegeben sein müssen, damit eine Webseite gesperrt wird. Viel schlimmer: es gibt keinerlei Regelung dafür, wie eine Seite wieder von der Liste entfernt wird. Eine versehentlich auf die Liste gesetzte Seite hat so kaum Chancen, sich zu rehabilitieren. Auch Seiten, die vormals Kinderpornografie enthielten, nun aber jemand anderem gehören und ganz andere Inhalte anbieten wären betroffen.
- Die tatsächlichen Verbrecher – nämlich die Kinderschänder selbst – werden davon kaum betroffen sein. Wegsehen hilft nicht gegen Kindesmissbrauch!
- Die weiteren Verbreitungswege wie Versandhandel sind nicht betroffen. Darüber kann weiter relativ ungehindert Kinderpornografie verbreitet werden.
- Die technische Umsetzung ist fast wirkungslos und trifft ausnahmslos technisch unerfahrene Netz-Nutzer.
- Alle Nutzer, die auf eine Stopp-Seite geraten sollen in Echtzeit an das Ministerium übermittelt werden. Somit sind sämtliche Stoppseitenbetrachter erstmal verdächtig – egal, ob sie die Seite nur durch Zufall gefunden haben, von einer bösartigen Seite aus darauf umgeleitet wurden oder nur neugierig mal so eine Seite sehen wollten.
- Die Nutzer, die die Sperren einfach umgehen bleiben so auch von dieser Überwachung verschont und sind für das Ministerium unsichtbar.
Die Möglichkeiten
Es wurden bereits mehrere Vorschläge zur Lösung des Problems gemacht. Darunter die meines erachtens brauchbarsten beinhalteten eine bessere IT-Ausbildung für die ermittelnden Beamten und gesetze zur internationalen Zusammenarbeit bei der Verfolgung der Webseitenbetreiber.
Nur, wenn man die Webseiten tatsächlich vom Netznimmt und die Betreiber zur Rechenschaft zieht, hat man eine echte Chance, die Kinderpornografie einzudämmen.
Mächtige Stimmen
Mit dieser Ansicht bin ich nicht alleine. Es gibt bereits mehrere formationen gegen die Internetsperren. Allen voran MOgIS (MissbrauchsOpfer gegen InternetSperren), die das Ganze selbst aus Sicht der Opfer für unsinnig und unwirksam halten. Des Weiteren gibt es eine Erklärung von Eltern aus IT-Berufen zu Internetsperren, die aus Sicht der Eltern, die Ahnung von der Materie haben, die Unwirksamkeit und Witzlosigkeit des Unterfangens darlegen und die Politik darum bitten, die Meinung von Fachleutes der Internet-Technik nicht weiter zu ignorieren.
Nicht zuletzt kann jeder von Uns etwas beitragen und die Online-Petition gegen Internetsperren mitzeichnen. Ab 50.000 Mitzeichnern muss die Petition vom Bundestag diskutiert werden. Über 80.000 Mitzeichner sind bereits dabei.
Daher jetzt der Aufruf an alle meine Leser: Mitzeichnen! Unterschreiben!
Update
Puh hat es bei Twitter auf den Punkt gebracht:
“Wer FÜR Internetsperren ist, ist GEGEN die Entfernung von KiPo aus dem Internet.”
“Wer FÜR Internetsperren ist, ist auch FÜR die Abschaffung von Grundrechten.”
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22:41 on Mai 14th, 2009
Hachja…. Ich hoffe, die Petition bringt etwas. :/